Nach relativ kurzer, jedoch intensiver Suche, war es dem Vorstand des Heimatvereins (HV) gelungen, ein geeignetes Haus zu finden.
Die Anforderungen: Es sollte möglichst zentral liegen, ebenerdige Flächen bieten u. für die schmale Kasse des HV-Anholt bezahlbar sein. Zunächst Miete. Kauf nicht ausgeschlossen.
Haus Lange
Das Haus an der Hohen Straße – nur wenige Meter entfernt vom historischen Anholter Rathaus – wurde im 2. Weltkrieg fast komplett zerstört.
Bereits im Januar 1947 wurde von Albert Lange der Bauantrag zum Wiederaufbau des Hauses gestellt. Vielen Anholtern sind die Räume der Metzgerei und besonders die des Zahnarztes Dr. Leifert, gleich nebenan, bestens bekannt.
Der Name „Heimathaus“ ist nicht so ganz passend. In Wirklichkeit hat der HV Räume im Untergeschoss eines geschichtsträchtigen Hauses in Anholt angemietet. Der Mietvertrag wurde mit Wirkung zum 1.1.2009 abgeschlossen. Die Flächen im Obergeschoss sind vom Eigentümer als Wohnung vermietet. Dennoch bleiben dem HV ca. 250 m² nutzbare Fläche im Erdgeschoss, der Innenhof mit ca. 50 m² und für die Lagerung eine Kellerfläche mit noch einmal rd. 80 m².
Vorangegangen waren intensive Arbeiten, die allesamt freiwillig von HV-Mitgliedern geleistet wurden. Zur positiven Überraschung auch von Helfern u. Handwerkern, die (noch) nicht Mitglieder im Verein waren. Die Räume waren viele Jahre nicht intensiv genutzt worden. So gab es Dreck wegzuräumen, Mauerrisse auszubessern und Malerarbeiten zu erledigen. Die Begeisterung war bei allen groß – niemand zählte seine Stunden.
Die Mitgliederversammlung gab das Votum
Von den Mitgliedern bekam der Vorstand die Zustimmung zur Anmietung der Räume im Untergeschoss.
Ebenfalls wurden Anträge gestellt, um auszuloten, ob evtl. auch ein Kauf des Gebäudes in Frage kommt. Zurzeit ist noch nicht erkennbar, ob es ausreichend Fördermittel oder Spenden für einen Kauf geben würde.
Verbunden mit dem Abschluss des Mietvertrages war eine Verdoppelung des Mitgliedsbeitrags. Fast einstimmig wurde das Vorhaben befürwortet. Dies war ein deutlicher Auftrag für den Vorstand hier aktiv zu werden.
Warum lebten so viele Künstler / Handwerker in Anholt?
Maler, Handwerker, Dichter, Schreiber, Büchsenmacher, Zeichner und Architekten waren in Anholt wohnhaft. Die Nähe zum Fürstenhaus sicherte ihnen Aufträge und Arbeit.
Warum ein Heimathaus für Anholt?
Gibt es keine zentrale Erfassung oder Archivierung, gehen auf Dauer viele Dinge verloren. Ein kleines Zentrum Anholter Geschichte sollte entstehen.
- Erfassung und Archivierung von Schriften, Dokumenten, Foto- u. Filmesammlungen,
- Sammlungen von Bildern und besonderen Gegenständen des häuslichen, handwerklichen oder ländlichen Bedarfs,
- Ständige und zeitlich befristete Ausstellungen,
- Treffpunkt für Vorstand, Arbeitskreise und Projektgruppen,
- Anlaufpunkt für Mitglieder u. Büro des Heimatvereins,
- Informationen für Kinder u. Jugendliche über ihre Heimat,
- Ausgangspunkt aller Aktivitäten des Heimatvereins.
Das Gebäude ist für die Öffnung und die Interessen des Heimatvereins hervorragend geeignet. Das haben die ersten Veranstaltungen bislang gezeigt. Überliefertes zu bewahren ist eine der vornehmsten Aufgaben des Heimatvereins. Im Heimathaus ist es jetzt möglich, die Schätze der Vergangenheit auch ansprechend zu präsentieren. Die Geschichte wird lebendig.
Der Anholter Tierarzt, Dr. Theo Veelken, schenkte dem HV eine Sammlung tierärztlicher Instrumente aus seiner Praxis, die er als Nachfolger seines Vaters 42 Jahre (von 1954 bis 1996) betrieben hatte. In einem Instrumentenschrank amerikanischen Ursprungs werden nun diese Dinge ständig gezeigt.
Die Eröffnung, der „Tag der offenen Tür“ und viele Besucher
Noch Minuten vor der Eröffnungsfeier wurden Bilder, getöpferte Gegenstände des Anholter Malers und Töpfermeisters Wilhelm Rinck, ins Heimathaus getragen.
Vieles wurde dem HV als Geschenk überlassen. Einige Exponate wurden auch als Dauerleihgaben bzw. zeitlich befristete Leihgaben überlassen.
Den rd. 250 bis 300 Besuchern konnte eine abwechslungsreiche Ausstellung in den Ladenräumen, einschließlich Schlachthaus und Innenhof, geboten werden:
a) Ein Raum wurde mit einer Vitrine ausgestattet und mit Produkten und Bildern fast komplett dem Künstler Wilhelm Rinck gewidmet.
b) Die Hobbyfotografin u. –filmerin, Dina Neuss, vererbte dem Heimatverein umfangreiches Bildmaterial. Hieraus wurde eine erste Bilderausstellung zusammengestellt, die auch als Bildband zu erwerben war.
c) Ein Ausschnitt von Bildern über das Vereinsleben der Anholter wurde gezeigt.
d) Das „Haus Lange“ – Die Geschichte des Heimathauses konnte mit alten Bauzeichnungen und Bildern dokumentiert werden.
e) Informationen und Dokumente über bekannte Anholter Persönlichkeiten (Wilhelm Rinck; Adolf Donders; Maria Lenzen; Franz Nadorp; Pfarrer Edmund Jansen und Heinrich Brömmling.
f) Die Arbeit der Interessengemeinschaft zur Verschönerung und Belebung Anholts wurde anhand von Ansichten „Vorher/Nachher“ gezeigt.
g) Kinder-Bilderrätsel: „Wie gut kennst du Anholt?“
Das Heimathaus wird immer lebendiger
Eine restaurierte alte Handpumpe ziert nun den rd. 50 m² großen Innenhof.
Aber auch alte Haushalts- u. Gebrauchsgegenstände; wie Plätt- bzw. Bügeleisen; Tonkrüge; ein NSU-Fahrrad aus dem Jahre 1940; die ersten Radios von Anholter Familien; Küchen- u. Wohnzimmeruhren; Handels- und Geschäftswaagen findet man inzwischen im Heimathaus.
Jetzt geht es darum, das Haus mit Leben zu füllen. Angebote für Bürger und Mitglieder und auch wechselnde kleine Ausstellungen (künstler- und themenbezogen) sollen die Räume lebendig halten. Hier ist der HV-Anholt für Ideen und Anregungen dankbar.