
1. Palmsonntagsumzug
2. Tradition des St. Martinszuges

Palmsonntagsumzug findet in Anholt gute Resonanz
von Cilly Achterhoff / Westfalia-Post, Frühjahr 2000
Der Heimatverein ist immer wieder bemüht, das Brauchtum zu pflegen und die Traditionen zu wahren. Im Februar auf der Generalversammlung war in einer Darstellung dem Jahresbericht zu entnehmen, welche Aktivitäten der Heimatverein während eines ganzen Jahres durchführt.
Eine dieser besonderen Traditionen ist die Durchführung des Palmsonntagsumzuges in Anholt. Laut Unterlagen führt der Heimatverein Anholt diesen Palmsonntagsumzug seit 1947 durch. Er hat allerdings schon eine längere Tradition. So sollen die Kinder mit ihren geschmückten Palmstöcken schon um die Jahrhundertwende durch Anholt gezogen sein.
Der Brauch des Tragens von verzierten „Palmstöcken“ an dem Sonntag vor Ostern kommt offensichtlich aus den benachtbarten katholischen Gegenden südlich der Niederlande und den flämischen Teilen Nordbelgiens. Man nimmt an, dass aus der Barockzeit um 1760 die Tradition vom damaligen Herzogtum Hoogstraten (bei Anwerpen) unter dem Fürsten Leopold zu Salm-Salm, der dort meistens residierte, in die Herrschaft Anholt übernommen worden ist.
Der Heimatverein als Ausrichter des Palmsonntagsumzuges führt auch den Umzug mit einem großen geschmückten Palmstock an. Dieser wird einige Tage vorher von einigen Vorstandsmitgliedern und Helfern des Heimatvereins geschmückt. Der Anholter Palmstock hat auch seine besondere Tradition. So wird vorher an die Eltern der Kinder appelliert, den Palmstock nach Anholter Tradition zu schmücken.
Er soll mit Palm, Kräkeln, Möskes, frischem Backwerk, Apfelsinen und Pflaumen- oder Rosinenkette geschmückt werden. Er soll allerdings nicht mit bunten Bändern geschmückt werden, diese haben an dem Anholter Palmstock nichts zu suchen. Eine Woche vor Palmsonntag steht auch in den Schaufenstern der Bäckereien Jansen und Otten je ein Palmstock, wo die Eltern sich diesen anschauen können.
Der Palmstock selbst wird vom Weidenstrauch geschnitten. Er soll so gewachsen sein, dass er am oberen Ende vier dünne Äste hat, von denen sich je zwei am Stock gegenüber stehen. Die Rinde dieses Stocks wird dann abgeschält, so dass er eine weiße Farbe erhält. Der Stock selbst und die Äste werden dann mit Palm umwickelt.
Bis zum Jahre 1998 wurde der Umzug nach dem Gottesdienst durchgeführt. Seit 1999 wird der Umzug in die Palmsonntagsliturgie einbezogen.
Anschließend führt der Umzug durch die Hohe Straße, Steinweg zur Kirche St. Pankratius, wo gemeinsam der Gottesdienst gefeiert wird.
Die Zugaufstellung: Allen voran werden Kreuz, Fahnen und der große Palmstock des Heimatvereins getragen. Danach folgen die Kinder, zum Teil mit Eltern, der Priester und Messdiener sowie die Gemeinde. Musikalisch begleitet wurde der Umzug auch vorige Woche Sonntag von der Bläsergruppe.
Tradition des St.Martinszuges in Anholt
Hintergrund
Der Martinszug in Anholt greift auf eine alte Tradition zurück. Den ersten Umzug gab es 1925. Er wurde von Paula Huyink (bis ca. 1940 Hotel u. Gasthof Huyink, Isselburger Str. 1) ins Leben gerufen.
Zu der Zeit führte der Martinzug noch zum Schloß, wo die Tütenausgabe durch die Fürstliche Familie erfolgte.
1927 nahmen 320 Kinder aus Anholt und der Umgebung am Martinszug teil.
Einige Anwohner schmücken ihre Vorgärten bzw. ihre Fensterbänke mit kleinen Fackeln.
Die Laternen wurden früher aus roten Rüben geschnitzt, oder es wurden die reinsten Kunstwerke aus Pappe und Draht hergestellt. Später kamen die fertigen Papierlaternen hinzu und der Umzug führte durch den alten Ortskern von Anholt. Kirchberg (Wall) und Mühle wurden mit Pechfackeln von der Feuerwehr hell erleuchtet.
Martinsgeschichte
Seit einigen Jahren findet der Auftakt des Umzuges auf dem Festplatz (Schneidkuhle) statt. Kinder, Betreuer, Lehrer und Eltern versammeln sich in einem großen Kreis. In der Mitte des Kreises wird von St. Martin und dem Bettler die Martinsgeschichte vorgetragen. Dann beginnt der Umzug und der Heimatverein geht mit der großen Fackel voran, gefolgt von St. Martin auf dem Pferd und von Feuerwehrmännern mit Fackeln begleitet, gehen die Kinder durch die Stadt. Weitere wichtige Begleiter sind das Anholt Grenzlandtambourkorps und die Bläsergruppe des Isselburger Blasorchesters.
Der Weg
Aktuell werden vom Anholter Heimatverein im jährlichen Wechsel zwei Routen angeboten:
Weg 1: Platz Schneidkuhle; Adolf-Donders-Allee; Niederstraße; Markt; Kirchstraße; Steinweg; Eiermarkt; Niederstraße; Gendringer Straße; Am Mühlenberg; Schneidkuhle; Schule.
Weg 2: Platz Schneidkuhle; Adolf-Donders-Allee; Schneidkuhle; Nadorpstraße; Märkische Straße; Schlesier Straße; Gendringer Straße; Mühlenberg; Am Mühlenberg; Schneidkuhle; Schule.
Fackeln
Kinder der Kindertagesstätten von AWO, DRK u. kath. Pfarrgemeinde sowie die Kinder der Grundschule haben zuvor einige Wochen an den Fackeln gebastelt. In jedem Jahr sieht man vereinzelt noch die ehemals traditionellen Rübenfackeln. Auch gibt es die bunten Papierfackeln. Fackeln, mit wechselnden Motiven, überraschen jedoch jährlich und kommen häufig von den Kindern aus den Kindertagesstätten.
Vorbereitung und Tüten
Eine wichtige Funktion obliegt dem Heimatverein als Veranstalter in der Vorbereitung und besonders in der Finanzierung der bisher üppig gefüllten Tüten für die Kinder. Ca. 25 Sammlerinnen und Sammler sind einige Wochen von Haus zu Haus unterwegs, um das Geld einzusammeln.
Besuche in Alten- u. Pflegeeinrichtungen
Bereits am Nachmittag des Umzugstages bringen die Kinder der Kindertagesstätte „Arche“ die Weckmänner zum Alten- u. Pflegeheim „Haus Rothkirch“ und tragen den Bewohnern einige Martinslieder vor.
Im Anschluss an den Umzug besucht St. Martin, begleitet von Mitglieders des Heimatvereins, die Bewohner des Augusta-Hospitals. Auf den Stationen werden Weckmänner verteilt. In der Eingangshalle spielt die Bläsergruppe Martinslieder.
Lieder
Auch die Lieder werden in den Wochen vor dem Martinsumzug in Kindertagesstätten und Grundschule einstudiert.