Heimatverein Anholt
 

Schlacht

um

Anholt

 


„Fünfzig Jahre ( 1995) ist es nunmehr her, dass in der

,, Schlacht um Anholt“, wie sich Pastor Janssen in seiner Chronik (600 Jahre Anholt, 1947) auszudrücken pflegte, unsere Heimatstadt in Schutt und Asche sank und wo eine entsetzte Bevölkerung ihr Heil in der Flucht suchte, ins Umland und ins benachbarte Holland.“

 

Everhard Onstein und Bernhardine Neuss verfassten aus Interviews und Bilddokumenten das Buch: Die Schlacht um Anholt, Druck 1995

 

Sie befragten die Bürger von Anholt, die das Grauen damals erleben mussten mit der Intention, dies als ein mahnendes Zeitzeugnis für nachfolgende Generationen hinzustellen!

 

„Sie ( die Zeitzeugen) erzählen von Menschen, häufig unbekannten Menschen, selber in Not, aber dennoch in christlicher Nächstenliebe die Not teilend. Das allgemeine, große Leid hat viele gleichsam über sich selbst hinauswachsen lassen.“

 

Wir gedenken mit dieser Ausstellung der Toten und hoffen auf ein friedliches Miteinander für kommende Jahre!

 


 

Die beiden ersten Tage der Bombardierung:

Mittwoch, den 21. März 1945

 Beginn der  SCHLACHT UM ANHOLT

                                           mit einem Luftangriff auf Schloß und Vorgelände.

 Opfer sind beim Schloß, das eben erst zum HVP 61 (Hauptverbandsplatz) erklärt und entsprechend auch gekennzeichnet worden war:

 der Erbprinz Alfred zu Salm-Salm, mit Freunden Heinz Langenberg aus Goch und Karl Heinz Zimmermann,  Franz Brockmann, der Schlossgärtner Alois Lehmkuhl und viele Soldaten.


Donnerstag, den 22. März 1945 
Explosion eines Geschosses in

der Feilenfabrik Funke

durch unvorsichtiges Hantieren. 

Opfer war der dort beschäftigte 

Hans te Baay. 


Es fielen an diesem Donnerstag zahlreiche Bomben auf Schneidkuhle, Mühlenberg, Gendringer Vorstadt, Ende Eiermarkt und Niederstraße. Es gab viele Todesopfer unter der Bevölkerung. Die Bewohner Anholts wandern an diesem Abend zum allergrößten Teil aus der Stadt in die Bauerschaften. 


Bei Alofs kamen drei Personen um.

Die vier Kinder kamen lebend davon.

Herzergreifend das Weinen der Kinder,

die von dem Unglück bereits wussten:

        ,,Eck heb geen Papa en geen Mama mehr.“

Die Eltern und die Großmutter waren tot

Schneidkuhle:

Vor unserer Haustüre lagen zwei Tote

Helene Frericks und Gerda Stry, von den Splittern so zugerichtet dass alle, die erste Hilfe leisten wollten, entsetzt waren. 

Sie hatten den Bunker auf dem Schulhof nicht mehr erreicht. 


Gerhard Deckers

Gerd Deckers hatte einen Splitter

abbekommen und lag zusammengekrümmt auf der Straße, vermutlich von einer Granate,

die auf der Ecke des Mühlenbunkers 

aufschlug. 


Maria Mäteling

Carl Stapelbroek: Ich kann mich noch gut an eine Fahrt erinnern: Ich wollte von der Regnietzur Mühle, etwas holen. 

Als ich an der Schule vorbeifuhr, 

kurvte wieder so ein Jabo am Himmel.  

Ich beeilte mich und war bereits bei

Vogel, als hinter mir, zwischen Mätelings und Düsings Haus eine Bombe fiel. 

Frau Mäteling hatte es getroffen: 

Ein großer Splitter — sie war sofort tot.


Wilfried Göring               

Maria Gaßeling: Bei Otten war ein Kind von Jan Göring (Bült) in Quartier.

Es ist mir nicht bekannt, ob das Kind verletzt nach dorthin gebracht wurde, oder ob es dort verwundet wurde –  eines ist sicher: 

Das Kind ist dort gestorben.  

Wir fanden jetzt auch Zeit, die Toten auf der Regniet zu sammeln und zu beerdigen. Vor dem Hause Otten wurden Einzelgräber ausgehoben und die Toten dort, es waren ca. 9 Soldaten und der kleine Wilfried Göring, bestattet. Pastor Janssen nahm die Einsegnung vor. Wir haben die Toten in Zeltplanen eingewickelt die auf Linders Diele zuhauf lagen, zusammen mit einem Berg von Rucksäcken deutscher Soldaten. 


Zu den schwer Verwundeten

gehörte auch Opa Brömmling; ihm waren durch Splitter ein Fuß abgerissen, desgleichen eine Hand und von der anderen Hand 3 Finger. Nachdem die Starre des Schreckens überwunden war, hat man dann Opa und den anderen erste Hilfe geleistet. Die Gliedstümpfe wurden abgebunden, die Fußsehne wurde dabei mit dem Küchenmesser durchtrennt. Der Schwerverwundete wurde auf der Trage oben auf einem Jeep festgezurrt und nach Gendringen zum dortigen Hauptverbandsplatz transportiert.

Am Morgen des 27. 3. kommt ein junger Leutnant und herrscht Vater an: 

,,Wenn Sie sich nicht sofort melden, erschieße ich Sie standrechtlich.“

Vater, immer noch in Uniform, fuhr jedoch nach Gendringen zum

Hauptverbandsplatz, wo er gegen 10 Uhr eintraf. Dort sollte er sofort zu

Opa kommen: ,,Es ginge ihm schlecht“. - Da die Blutgruppe stimmte,

wurde ihm von seinem Sohn noch Blut übertragen - allerdings ohne Erfolg, trotz scheinbarer Besserung während der Übertragung. Er verblutete an der Bauchverletzung, die man bisher nur oberflächlich behandelt hatte.




Der Totenzettel, den die Pfarre St. Pankratius 

für alle Ziviltote vom März 1945 

herausgegeben hat.